Hast Du schon mal was von dem Konzept der Solidarischen Landwirtschaft gehört? Mir ist der Begriff zum ersten Mal vor einem Jahr begegnet und ich war direkt begeistert von der Idee. Es funktioniert so: ein gemeinnütziger Verein pachtet von einem Bio-Bauern in der Nähe ein Stück Ackerfläche und dort bauen die Mitglieder gemeinsam Gemüse und eventuell auch Obst an. Die Ernte wird dann durch alle Mitglieder gerecht geteilt.

Meine Versuche, auf unserer Terrasse Tomaten und Gurken anzubauen waren dieses Jahr aus verschiedenen Gründen nicht sehr erfolgreich (zu viel Regen, zu wenig Sonne, zu wenig grüner Daumen). Ich habe kurzzeitig auch mit der Idee geliebäugelt, einen Schreberarten zu pachten, aber aufgrund der befürchteten Arbeit die damit verbunden ist, das ganze wieimg_0725der verworfen.

Nun bin ich also über den Aushang zum Info-Abend der SoLaWi Neustadt gestolpert und habe noch am gleichen Abend beschlossen, mitzumachen. Der Verein besteht mittlerweile seit zwei Jahren und konnte vor kurzem auch einen Gärtner in Teilzeit anstellen, Matthias.

Ein langhaariger Naturbursche, der so ruhig und freudig und voller Herzblut über den Ackerboden geschwärmt hat und der liebevoll von der Vielzahl der Tomatensorten berichtet hat, die gemeinsam angebaut werden. Ich hing ganz begeistert an seinen Lippen und meldete mich zur Ackerführung am nächsten Samstag an.

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Gemeinsam haben wir uns den Acker vom Bioland-Bauernhof Akazienhof in Neustadt angeschaut. Ein Idyll inmitten von konventioneller Landwirtschaft und einförmig hochgezogenen Weinreben, umgeben von einer wildwachsenden Hecke, die eigentlich eher nach Gestrüpp aussieht. Aber wir erfuhren, wie wichtig diese Hecke für die Insektenvielfalt und somit auch für die Bestäubung der Blüten ist – und somit direkt für die Ertragsmenge.

Auch erzählte uns Matthias, dass nach den häufigen und starken Regenfällen im Frühjahr die angrenzenden Äcker alle unter Wasser standen, die Fläche von SoLaWi blieb jedoch verschont. Warum?
Durch den Einsatz von Landmaschinen im konventionellen Anbau ist die Erde so verdichtet, dass keine Insekten und sonstiges Gewürm mehr im Boden überleben können und so den Boden auch nicht mehr auflockern. Deshalb ersoff dem Weinbauer nebenan ein Großteil seiner Reben, während bei der SoLaWi nur lächerlich kleine Pfützen stehen blieben. Ganz wichtig ist nämlich immer die regelmäßige Pflege des Bodens und mit Traktoren wird da auch nur selten gearbeitet.

Insgesamt werden auf dem Gelände derzeit knapp vierzig verschiedene Gemüsesorten angebaut, Tendenz im nächsten Jahr steigend. Zu beinahe jeder Jahreszeit gibt es also regionales und saisonales Bioland-Gemüse. Außerdem gibt es auch eine Obstwiese mit Apfelbäumen, die dieses Jahr aber vermutlich von Schwarz-Schnapsbrennern komplett leergeplündert wurde. Wie ärgerlich!

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Wer von den Mitgliedern Zeit und Lust hat, kann an verschiedenen Tagen zusammen mit Matthias zum Gärtnern oder zum Ernten kommen. Danach wird oft gegrillt oder noch zusammen ein Bier getrunken. Wer keine Zeit hat, wird nicht schief angeschaut sondern bekommt trotzdem seinen Teil der Ernte. Das ist Teil der Solidarität. Umgekehrt natürlich auch – fällt die Ernte aus, bekommt keiner etwas, der Beitrag läuft aber weiter.

Jeden Freitag und Samstag kann man seinen Ernteanteil abholen. Wieviel man bekommt hängt ganz simpel davon ab, wie viel geerntet wurde. Mal unglaublich viel, mal weniger.

img_0722Dennoch ein tolles Konzept, wie ich finde. Für ca. 75 Euro im Monat bekommt man eine wöchentliche Erntekiste, die für mindestens zwei Personen mehr als ausreicht. Im Sommer gibt es da schon mal 6kg Tomaten pro Woche – da muss man sich wieder aneignen, wie unsere Großmütter das Essen eigentlich haltbar gemacht haben, als es noch keine Supermärkte und Gemüse aus aller Welt zu jeder Zeit zu kaufen gab. Ich fange also schon mal an, Marmeladengläser zum späteren Einkochen zu sammeln.

Wenn man im Urlaub ist, kann man entweder Freunde die Kiste abholen lassen oder man lässt seinen Anteil für die Zeit verfallen – anders funktioniert das ganze natürlich nicht, da der Verein auf den regelmäßigen Beitrag der Mitglieder angewiesen ist. Wir werden sehen, wie das in der Praxis dann wirklich für uns funktioniert.

img_0719Noch ein toller Aspekt ist, dass man ganz neue Gemüsesorten kennenlernt, die man eigentlich nie kaufen würde oder gar nicht wüsste, dass es die überhaupt gibt. Bei der Besichtigung haben wir einen frisch geernteten Spitzkohl bekommen, den habe ich vorher noch nie probiert. Aber ich bin total auf den Geschmack gekommen.

Wenn Euch der Artikel auch auf die Idee gebracht hat, Euch nach einer SoLaWi in Eurer Nähe umzuschauen, es gibt mittlerweile in fast jeder Region einen solchen Verein. Probiert es einfach mal aus, wenn Ihr Euch für frische, regionale und biologisch angebaute Lebensmittel interessiert.

Ich freue mich schon riesig darauf, wenn die Saat- und Erntezeit dann nächstes Jahr so richtig anfängt. Ich bin ja leider pünktlich zur Winterruhe eingestiegen… 😉 Wie die Arbeit auf dem Feld so schmeckt, werde ich dann nächstes Jahr im Frühling berichten.

Alles Liebe,
Eure Sarah

 


Alle Gemüse-Illustrationen stammen aus meiner Feder. (c)SarahForger2016
Besuche auch meine Webseite www.sarahforger.de für mehr Eindrücke.

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